… und seid nicht so traurig, er ist uns nur voraus gegangen…

Mein lieber Opa ist letzten Mittwoch im 96. Lebensjahr, nach einem Schlaganfall, verstorben. Er ist jetzt auch im Himmel. Er ist jetzt ein Engel. Ich habe meinen Opa mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiedet. Er hat 95 Jahre gelebt, hat viel erlebt.

Ich weiß nicht ob man sagen kann, dass die Trauerfeierlichkeiten „schön“ waren, aber ich sage es jetzt einfach so. Die Trauerfeierlichkeiten waren schön. Ich habe mir immer einen kleinen „Trojer-Opa“ auf meiner Schulter sitzend vorgestellt. Er hat so verschmitzt gelacht wie immer. Er war dabei und ich glaube es hat ihm so gefallen wie es war. Unser „Opa aus Europa“ hat alle seine „Kinder“ an einem Ort versammelt, in geselliger Runde und mit lachenden und weinenden Gesichtern gesehen. Das hat ihm bestimmt gefallen.

Was mir sehr gut gefallen hat, war der Pfarrer. Dieser Mann hat mich wirklich schwer beeindruckt. Mir fallen immer wieder die Worte realitätsnah, jugendlich, ehrlich und mitfühlend ein, wenn ich an diesen Mann denke. Er stammt aus Deutschland, ist in zweiter Ehe und hat eine Patchworkfamilie. Das finde ich einfach sehr sympathisch.

Er hat beim Beten eine tolle Predigt gehalten und auch beim Begräbnis. Durch seine Worte ist man doch nachdenklich geworden und ich habe dann begonnen zu weinen, aber diese Worte sind im Kopf geblieben und ich habe mir oft gedacht, „wow, diesen Satz muss ich mir merken, der kann mir sicher einmal weiterhelfen“. Und ich glaube das hat mich so fasziniert bei diesem Pfarrer. Eben diese Realitätsnähe und das Weiterdenken und über die Predigt hinaus nachdenken. Einfach toll.

Der Pfarrer hat zum Beispiel zum Abschluss vom Beten gesagt, wir sollen nicht so traurig sein, er ist uns nur voraus gegangen. Und das stimmt ja. Er hat auch gemeint, nichts ist unendlich, alles findet einmal ein Ende und das soll einem bewusst sein. Auch der Satz „In ewiger Ruhe“ ist für ihn eher suboptimal (meine Ausdrucksweise!), da er glaubt, dass das aus „unserer“ Müdigkeit heraus entstanden ist.

Ich kann leider nicht mehr alles so wiedergeben wie er es gepredigt hat, aber etwas ist mir noch hängen geblieben. In der Kirche, beim Begräbnis meinte er, dass wir den Namen vom Opa immer so gebrauchen sollen, wie wir es vorher getan haben. Er soll weiterhin im Haus und in unserem Alltag dabei sein. Wir sollen nicht Themen vermeiden, bei denen wir über den Tod, den Verstorbenen usw. sprechen. Der Tod gehört dazu, wie gesagt nichts ist für die Ewigkeit, alles ist vergänglich. Aber im Herzen und in gewissen Situationen ist der Opa ja trotzdem da. Er ist jetzt mit seiner voraus gegangenen Frau und seinem auch schon voraus gegangen Sohn gemeinsam unterwegs.

Tief beeindruckt und zum Nachdenken angeregt hat mich auch die Aussage des Pfarrers, dass jeder Mensch ein „Passwort“ hat. Ein Wort das passt. Ich habe bei dem Wort „Passwort“ sofort an etwas Verschlüsseltes, Versperrtes oder Geheimes gedacht. Muss es aber gar nicht sein. Der Pfarrer hat gepredigt, dass er (als Pfarrer) quasi dafür zuständig ist, dieses Wort herauszufinden. Ich habe aber leider nicht ganz heraus gefunden, welches Wort er für meinen Opa gefunden hat. Aber das werde ich schon noch herausfinden 🙂

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